Gotland

Auf der Insel der steinernen Wächter

 Gotland – reichlich drei Fährstunden trennen die schwedische Ostseeinsel vom Festland. Verlässt man die Fähre mit dem bedeutungsvollen Namen „Destination Gotland“ am Hafen von Visby, taucht man ein in eine einzigartige und faszinierende Inselwelt. Fast 800 Kilometer naturbelassene und von den Elementen Wasser und Wind geformte Küstenlandschaft lassen das Herz eines jeden Naturliebhabers höher schlagen.

Schroffe Klippen, Kalksteinplateaus, Steinstrände voller fossiler Geheimnisse, Sandstrände, windge-peitschte Kiefern und allen voran die mystischen Raukfelder machen die Küsten zu einem unvergesslichen Naturerlebnis. Das Landesinnere wartet mit Wäldern, Seen, Mooren, steppenartigen Trockenwiesen, Heidelandschaften und deren typischer Flora auf. Alvarmark und Hällmark, zwei für Gotland typische und außergewöhnliche Landschaftsformen, deren Ursprung die dünne Vegetation auf felsigem Kalkgrund ist, prägen das Landschaftsbild der Insel.

Bereist man die Insel im Juni oder Juli, betritt man eine blühende Landschaft. Mohnfelder, Wiesen voller Sommerblumen, ja selbst blühende Straßenränder wohin das Auge reicht. Landschaftstypisch ist der blau blühende Natternkopf. Die weit verbreitete Pflanze auf der Insel trifft man oft in großen Beständen an.

Gotlands kleine Kostbarkeiten

 

Naturfotografen finden auf der Insel viele fotografische Höhepunkte. Einer von ihnen ist der artenreiche Bestand an Orchideen.

Jungfrun, Holmällar, Folhammar – Raukar als Strandwächter

 

Eine Besonderheit Gotlands sind die Raukar. Zwar begann die Entstehungsgeschichte Gotlands bereits im Silur vor rund 400 Millionen Jahren, die markanten Felsskulpturen der Insel sind jedoch erst nach der letzten Eiszeit entstanden. Die erdäußeren Kräfte von Wind und Wasser führten zur Erosion, welche dem jahrmillionen alten Riffkalk zugesetzt hat. Das weichere Mergelgestein wurde ausgewaschen, die härteren Kalksteinarten trotzten den Elementen. Und so schuf die Natur teils abenteuerliche Gebilde, welche heute wie eine Armee steinerner Wächter einzelne Küstenabschnitte Gotlands bevölkern. Mystischen Wesen gleich, thronen die bizarren Felsen im Licht der untergehenden Sonne. Urzeitechsen, Trollgesichter – der Phantasie des Betrachters sind keine Grenzen gesetzt.

Fårö – das Sahnehäubchen Gotlands

Wer es noch ein bisschen spektakulärer und grandioser wünscht, der kommt auf der kleinen Nachbarinsel

ganz im Norden Gotlands auf seine Kosten. Gamla Hamn, Digerhuvud, Langhammaren – wer staunend vor den aus Stein gemeißelten Kunstwerken der Natur stand, wird diese Namen wohl lange in Erinnerung behalten. Die drei Raukgebiete gehören zu den größten und schönsten Gotlands. Auf mehreren Kilometern entlang der Westküste reihen sich faszinierende Steinskulpturen. Wie altehrwürdige Krieger blicken die Raukar im weichen Licht der untergehenden Sonne über das Meer. Dass der Schein trügt und auch sie eines fernen Tages dem Verfall preisgegeben sind, davon zeugen die ausgedehnten Schotterhalden, auf denen sie stehen.

Die Fauna Gotlands

 

Generell ist die Population an Säugetieren auf der Insel eher gering. Doch ein Vertreter der Mammalia, das Wildkaninchen, ist allgegenwärtig. Überall auf der Insel findet man die weit verzweigten Erdbaue.

Begünstigt durch die Insellage ist der Artenreichtum an Wasser- und Strandvögeln weitaus größer als bei den Säugetieren. Limikolen, Küstenseeschwalben, verschiedene Möwenarten, Eiderenten und Kanadagänse sind ganzjährig auf Gotland zu beobachten und zu fotografieren.

Fotografieren auf Gotland

 

Ich habe Gotland als kleines Fotoparadies erlebt. Die etwas umständliche Anreise mit zwei längeren

Fährüberfahrten war schnell vergessen in Anbetracht der sich bietenden mannigfaltigen und einzigartigen Motive, welche sich auf der Hauptinsel und den kleinen Nebeninseln bieten. Landschaftsfotografie, Makrofotografie, Tierfotografie (Vogelfotografie) – Gotland hat von allem reichlich zu bieten. Zudem zeichnet

sich die Insel durch ihre Ruhe und vom Tourismus verschonte Ursprünglichkeit aus.

 

Generell versteht es sich, dass man bei seinen Fotoausflügen Rücksichtnahme und Respekt vor der Natur und ihren Geschöpfen walten lässt. Anders als in Deutschland, wo Orchideenbestände und Brutgebiete meist mit Warntafeln und Absperrungen geschützt sind, sucht man diese strengen Reglements auf Gotland meist vergebens. Zwar verweisen Hinweistafeln auf die elf für Gotland typischen Naturräume mit ihrer geschützten Flora und Fauna, doch sind diese meist alle über kleine Wege begehbar. Auch gestattet das Allemansrätten – schwedisches Jedermannsrecht – das man sich frei in der Natur bewegen darf. Umso mehr ist Vorsicht und umsichtiges Handeln geboten, um die Einzigartigkeit der Natur der Insel zu bewahren.

Dies war meine erste Reise nach Gotland. Vierzehn Tage reichten bei weitem nicht, um die Insel umfassend fotografisch zu erkunden, zumal es sich um eine Urlaubsreise handelte und dabei auch die Familie ihren Platz im Tagesablauf fand. Nicht alle geplanten Fotoziele konnten deshalb auf Grund der Fülle der Motive auf der Insel in dieser Zeit umgesetzt werden. Und so habe ich mich mit schwerem Herzen und einem  Versprechen von der Insel getrennt: Gotland – Jag kommer tillbaka!