Feldberger Seenlandschaft

Zu Gast beim Adlermann am Breiten Luzin

Ranger Tours Fred Bollmann

Lauschige Buchenwälder, kristallklare Seen, sanfte Hügel und sandige Ebenen – die Feldberger Seenlandschaft, geformt von der letzten Eiszeit, ist ein landschaftliches Kleinod im Südosten von Mecklenburg. Der 340 m² große Naturpark mit reich strukturierter Kulturlandschaft ist Adlerland. Gleich drei bedrohte Arten haben hier einen idealen Lebensraum gefunden. Fischadler, Seeadler und der sehr seltene Schreiadler ziehen alljährlich ihre Jungen auf.

Wer als Naturliebhaber und -fotograf nach Feldberg reist, kommt an einem Namen nicht vorbei: Fred Bollmann. Er und seine Seeadler sind weit über die Landesgrenzen Mecklenburgs bekannt. Der Ranger bietet naturbegeisterten Fotografen nicht nur eine breite Palette an Beobachtungs- und Fotomöglichkeiten, sein Herz schlägt auch für die Natur. Und so setzt er sich seit vielen Jahren aktiv für den Natur- und Artenschutz ein. Mit der Errichtung von Kunsthorsten für Fischadler sowie Nisthilfen für Schwarzstorch, Baum- und Wanderfalke, Eisvogel, Flusssee- und Uferschwalbe leistet er einen wichtigen Beitrag für den Erhalt der Artenvielfalt an den Feldberger Seen. Ihm ist es mit zu verdanken, dass sich Fisch- und Seeadler im Gebiet angesiedelt haben. Als ehrenamtlicher Naturschutzwart ist er bestens vertraut mit der Tier- und Pflanzenwelt im Gebiet. Er weiß wo der Kranich brütet und der Eisvogel pfeift und er ist so etwas wie ein Adlerflüsterer. 2001 balzte das erste Paar am See und zog in einem eigentlich für Fischadler bestimmten Kunsthorst seine Jungen auf. Mit viel Einfühlungsvermögen erlangte er das Vertrauen der scheuen Adler. Bis heute scheint ein unsichtbares Band zwischen Fred und den Seeadlern am Breiten Luzin zu bestehen. Auch ich kam in den Genuss dieses einzigartigen Naturerlebnisses.

Danke an Karin Assmus für dieses Foto

Im September 2018 buchte ich gemeinsam mit einer Fotofreundin eine Bootsfahrt bei Ranger-Tours. 07:30 Uhr schipperten wir mit Fred in seinem Elektroboot über den Breiten Luzin. Mit an Bord waren sein liebenswerter Jack Russel und ein Eimer mit Köderfisch. Fred kennt seine Adler und ihre Gewohnheiten. Sie müssen erst ein bisschen mit Futterneid gelockt werden, erklärte er uns mit verschmitztem Lächeln. Und so „flogen“ die ersten kleinen Fische für die uns bereits umlagernden Möwen. Uns war es recht, konnten wir uns doch so erst einmal auf das Fotografieren vom Boot aus einstellen. Schließlich ist auch eine Möwe kein schlechtes Fotomotiv.

Als sich dann noch ein schicker Rotmilan für die Köderfische interessierte, war unsere Freude groß.

Fred wusste genau wo seine Greife im Baum saßen. „Seid ihr bereit für die Adler?“ Wir bejahten aufgeregt und schon hallte sein lautes „Na koooooommmt“ über den See. Er winkte mit einem kleinen Aal und warf ihn über das Wasser. Als mein erster Seeadler majestätisch heransegelte hielt ich den Atem an und verpatzte natürlich prompt die Aufnahme. Nun ja, nicht ganz – immerhin hatte ich das aufspritzende Wasser gestochen scharf im Bild festgehalten. Doch wir hatten einen guten Tag erwischt, die Seeadler schenkten uns noch zwei weitere Anflüge und unsere Kameras nagelten was das Zeug hielt. 

Auch unser Ranger war mit seinen Adlern zufrieden. Denn obwohl die Greife gern Freds „Cateringservice“ in Anspruch nehmen, sind und bleiben sie freilebende Adler. Sie selbst entscheiden wann und wie oft sie die angebotenen Köderfische annehmen. Es ist schon ein erhebendes Gefühl, wenn die Vögel keine 10 Meter vom Boot den Fisch von der Wasseroberfläche greifen. Seeadler sind überaus scheu und haben eigentlich eine Fluchtdistanz von mehreren 100 Metern. Wer dies weiß, wird ahnen, wie groß das Vertrauen der Vögel in den Ranger sein muss.

Ranger-Tours hat für Naturfotografen noch viel mehr zu bieten. Wer sich für die Ansitzfotografie begeistert, dem stehen ganzjährig mehrere Fotoverstecke zur Verfügung.

Wir entschieden uns für das Ost-Ufer-Versteck. Im Morgengrauen holte uns Ranger Fred vom Hotel ab, um uns zum Ansitz zu bringen. Der Luderplatz liegt leicht erhöht auf einer sanften Hügelkuppe. Im Hintergrund ist das Panorama des Breiten Luzin mit seinem Waldgürtel zu sehen. Während Fred das Luder auslegte richteten wir uns schon einmal im geräumigen Fotoversteck ein.

Bereits kurz vor Sonnenaufgang segelte der erste Mäusebussard heran. Noch gab es zu wenig Licht für ansprechende Fotos, doch das störte uns nicht. Wir nutzten die Gelegenheit, um den erwachenden Tag zu genießen. Das vor uns ein Greif ganz entspannt sein Frühstück einnahm, gab der Sache eine besondere Note. Langsam wurde das Licht besser und wie kann es anders sein, der Bussard verabschiedete sich. Doch schon bald fielen die ersten Elstern am Luder ein. Ihnen folgten weitere Aasfresser wie Nebelkrähen und Kolkraben. Es war ein ständiges Kommen und Gehen.

Plötzlich flogen wie auf Kommando alle Elstern vom Luder auf. Ein langgezogenes markantes Wiiiieeeehhhhh ertönte und kündigte einen Rotmilan an. Vorsichtig kreiste der wunderschön gefärbte Vogel ein paarmal über dem Luder, bis er sich schließlich zur Landung entschloss. Jetzt nur nicht vorschnell den Auslöser betätigen. Natürlich juckte es im Zeigefinger, doch wir blieben standhaft und warteten bis Milvus milvus mit seiner Mahlzeit begann. Aus dem Augenwinkel sah ich einen Schatten. Auf dem Ansitzast links vom Luder saß ein weiterer Rotmilan.

,Es dauerte nicht lang und er gesellte sich zu seinem Artgenossen und begann zu fressen. Vorsichtig lösten wir die Kameras aus und fragten uns zum wiederholten Male: Warum zum Teufel bekommen es die Hersteller der zwei renommierten Kameramarken nicht endlich in den Griff das Auslösegeräusch zu minimieren. Doch die beiden Greife störten sich nicht am Klicken der Kameras. Nach und nach kehrten auch die Elstern zurück und zupften vorwitzig an den Schwanzfedern der beiden Greife. Gut für uns, kam doch so ein wenig Aktion in die Szene. Die Elstern wurden immer kecker, die Milane hatten irgendwann genug und flogen davon.

Nun kehrte erst einmal Ruhe ein und wir hatten Zeit, unser Lunchpaket auszupacken. Nach geraumer Zeit kehrten die Milane zurück und auch ein Mäusebussard gesellte sich ab und an hinzu. Es gab weitere schöne Fotogelegenheiten, wobei sich Ruhephasen mit aktionsreichen Zeiten abwechselten. Wir verbrachten 8 Stunden im Ansitz und wären wohl auch noch länger geblieben, wenn uns nicht ein immer stärker werdender Sturm mit schwarzer Regenfront im Gepäck zum Aufbruch veranlasst hätte.

Sicher, am Morgen hatten wir die Fotos vom Seeadler im Kopf. Heute hatte er uns versetzt, doch wir wussten, dass Fred kein Falkner war, sondern seine Greife ein freies Leben genießen. Wir hatten einen spannenden Tag im Ansitz verlebt und das große Glück, herrliche Aufnahmen von Rotmilanen mit nach Hause nehmen zu dürfen. Ende September ist das durchaus nicht die Normalität, ziehen doch Rotmilane eigentlich bereits Ende August in ihre Überwinterungsgebiete.

Ein kleines Juwel an den Feldberger Seen ist Alcedo atthis. Auch für den Eisvogel gibt es bei Ranger Fred eine Ansitzhütte. Ende September ist nicht unbedingt die günstigste Zeit für einen Ansitz beim fliegenden Edelstein, denn die Fütterung der Jungvögel ist abgeschlossen und die aktionsreiche Zeit vorüber. Doch als wir die Information erhielten, dass sich Eisvögel weiterhin vor der Hütte sehen lassen, wollten wir die Chance nutzen. Sollte der Eisvogel kommen, hätten wir Glück – wenn nicht haben wir eben wieder einmal mehr der Natur gelauscht. Doch wir hatten Glück. Dem grellen Pfiff folgte der Eisvogel und dieser nahm bei bestem Licht vor unseren Objektiven Platz – was will man mehr.

Aller guten Dinge sind Drei, und so beschloss ich einen Tag vor meiner Heimreise noch einmal das Fotoversteck Ostufer aufzusuchen. An diesem Tag ging es wesentlich ruhiger zu. Zwar zeigten sich bereits am zeitigen Morgen ein herrlicher hell gezeichneter Mäusebussard und auch zwei Rotmilane. Doch an diesem Vormittag hatten die Kolkraben den Luftraum voll unter Kontrolle und vertrieben die Greife bereits in der Luft.

Ich hatte Muse, die Rabenvögel bei ihren Aktionen zu beobachten und fand sie auf den zweiten Blick recht fotogen. Warum eigentlich immer nur Greife fotografieren – die stattlichen Vögel in ihrem glänzenden pechschwarzen Gefieder hatten auch ihren Reiz.

Am späten Nachmittag gab sich dann doch noch ein Rotmilan die Ehre und auch ein hübscher Turmfalke ließ sich zur Rast auf dem Ansitzast nieder. Ich ging also auch an diesem Tag nicht leer aus und hatte mir

mein leckeres Abendbrot im Alten Zollhaus redlich verdient.

Viel zu schnell vergingen die Tage in Feldberg. Mit herrlichen Naturerlebnissen im Kopf und zahlreichen Erinnerungsfotos auf den Speicherkarten trat ich die Heimreise an.

 

Auf Wiedersehen Feldberger Seenlandschaft!

Doch wir kommen wieder und mieten uns ein bei Ranger Fred. Der Termin steht bereits: im nächsten Frühjahr - wenn der Eisvogel sein Brautgeschenk überbringt.